Luis Moßburger, Product Owner von Open Data Bayern

...erste Schritte hin zum Open-Data-Portal 

Das Digitalministerium Bayern hat im Digitalplan den Auftrag formuliert, ein Open-Data-Portal für das Land zu erstellen. Der erste Schritt für uns war zu schauen, was es bereits gibt – wie sieht das bestehende Open-Data-Ökosystem aus, wie passen wir da rein, was können wir von anderen lernen, was besser machen? Wir sind dann selbstständig auf die Betreibenden der existierenden Landesportale zugegangen und haben geschaut, was wir von ihren Erfahrungen ableiten können: das war ein sehr guter Austausch mit ehrlichem Input. Zusätzlich waren uns mehrere Gespräche mit dem hiesigen OK Lab München und Wikimedia wichtig.

...Entwicklung und Launch

Im Dezember 22 haben wir ausgeschrieben, im Januar 23 ging es in die Entwicklung und im März waren wir tatsächlich bereit, die erste Version zu launchen. Wir haben uns noch einmal die Zeit genommen, User-Tests durchzuführen und Feedback einzuarbeiten und waren dann im Mai mit der ersten Version live. Wir wollten auch dezidiert nicht lange mit den Bestrebungen im Kämmerchen verharren, sondern früh auch als Projektteam für Open Data Bayern sichtbar werden und den Prozess agil gestalten. 

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© byte – Bayerische Agentur

für Digitales

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© Open Data Bayern

...die Entscheidung für die technische Plattform

Von Anfang an stand fest, dass wir eine Open-Source-Lösung nehmen wollen. Im Endeffekt hieß es dann: CKAN oder piveau. piveau als eine innovative und state-of-the-art-Lösung hat uns als Team da vollständig überzeugt. Beispielsweise hat es eine moderne, skalierbare Softwarearchitektur, die auf die Cloud ausgerichtet ist. Außerdem arbeitet es im Gegensatz zu anderen Portalen mit einem „Triple Store“, in dem Daten nicht als Tabellen, sondern als eine Art Netzwerk gespeichert werden. Das passt gut zum Metadatenstandard DCAT-AP.de, der selbst im Triple-Format angelegt ist, und zu unserem Ziel, Linked Open Data für Bayern stärker in den Blick zu nehmen. Das ist der erste Schritt, um Daten miteinander zu vernetzten und semantisch und damit besser maschinenlesbar aufzubereiten.

...über den Austausch mit Kommunen

Eins ist uns direkt nach dem Launch aufgefallen: Das grundsätzliche Interesse an Open Data ist groß, oft fehlt bloß ein Ansprechpartner, mit dem man einfach mal eine halbe Stunde drüber sprechen kann. Häufig ist es natürlich ein Argument, wenn man den Menschen etwas zu bieten hat, z.B. Antworten rund um das Thema Lizenzen. Aktuell arbeiten wir auch an einer Möglichkeit, z.B. kleineren Kommunen eine eigene Präsenz bei uns auf der Plattform zu ermöglichen, wo sie Daten bereitstellen können, ohne selbst etwas entwickeln zu müssen. Das spart ihnen Zeit und Geld und baut Komplexität ab, die immer als Gegenargumente zu Open Data genannt werden.

Screenshot von der Startseite Open Data Bayern.

Screenshot von der Startseite Open Data Bayern | © Open Data Bayern

...die Einrichtung einer Open Data Geschäftsstelle

Wir haben den Anspruch, langfristige Strukturen im Bereich Open Data in Bayern aufzubauen. Um dem gerecht zu werden, soll unser Team in Zukunft noch wachsen. Neben Beratungsgesprächen wollen wir auch noch stärker an technischen Lösungen arbeiten, um die Datenbereitstellung zu vereinfachen. Gerade bei Eingabeformularen könnte man den Datenbereitstellenden noch mehr unter die Arme greifen und das ganze Prozedere verschlanken. Außerdem arbeiten wir am Idealfall der automatisierten Bereitstellung offener Daten. Auf der anderen Seite der Medaille steht die Datenqualität und Auffindbarkeit. Wenn wir möchten, dass die Daten wirklich genutzt werden, muss dies gewährleistet sein.

...drei Dinge, die ihr seit dem Launch gelernt habt

UX-Design, also wie die Oberfläche aussieht und z.B. die Navigation funktioniert, kann auch für so ein vermeintlich simples Projekt wie eine Open-Data-Plattform sehr komplex sein und muss gut durchdacht sein. Nehmen wir zum Beispiel einen Zugangsbutton zu einem Datensatz – wie benenne ich den? Führt er direkt zu einer Access-URL? Ist es ein Download einer Datei oder stecken mehrere in einem ZIP-Archiv? Leitet er an eine Schnittstelle weiter, wie z.B. beim WMS-Format, bei dem ein „Bild einer Karte“ abgefragt wird? Derlei Fragestellungen fallen einem erst im Praxis-Test auf.

Die Nutzenden an die Hand zu nehmen ist immens wichtig, gerade wenn die Daten aus so vielen verschiedenen Quellen kommen. Zum Beispiel hat eine unserer bereitstellenden Quellen ein eigenes Open-Data-Portal und stellt dort einen Datensatz mit dem Titel „Radwege“ bereit. Wenn ich aber im Bayern-Portal einen so benannten Datensatz finde, erwarte ich natürlich alle Radwege des Bundeslandes. So etwas kann das Portal selbst kaum auffangen, wir müssen aber dort ansetzen und die einheitliche Beschreibung, wenn möglich mit technischen Hilfsmitteln, voranbringen.

Denn, drittens, Open Data steht und fällt natürlich mit der Datenqualität. Je mehr wir zeigen können, welchen Mehrwert diese Daten tatsächlich bringen – gerade auch im internen Gebrauch für Behörden – desto überzeugender wirken unsere Argumente auch an anderen Stellen der Verwaltung.